Burgentour entlang des Oberen Mittelrheintals: Bingen bis Koblenz

Wenn es nur eine Burgentour gibt, die du in Deutschland gemacht haben musst, dann ist es diese hier! Entlang des Rheins zwischen Bingen und Koblenz gibt es unzählige Burgen, die man alle wunderbar auf einem Wochenende am Rhein besuchen kann. Das Rheintal gehört seit 2002 aufgrund der dicht beieinander liegenden Burgen zum UNESCO-Welterbe, und das beste ist: die meisten sind Museen, Restaurants oder Hotels und so dem Besucher zugänglich.


Die meisten dieser Burgen wurden im 12. und 13. Jahrhundert erbaut. Im Rheintal gab es im Laufe der Jahrhunderte einige Auseinandersetzungen und so wurden einige schon wenige Jahre nach ihrer Erbauung von Raubrittern zerstört. Die meisten sind dem Französischen Erbfolgekrieg zum Opfer gefallen, aber gut erhaltene Ruinen sind auch heute noch zugänglich.


Planung

In diesem Abschnitt zwischen Bingen und Koblenz gibt es keine Brücke, nur ein paar vereinzelte Fähren – daher will ein Ausflug in diese Region gut geplant sein. Meine Empfehlung: erst die linke Seite Rheinaufwärts “abarbeiten” und dann in Koblenz auf die rechte Seite hinüberwechseln. Linksrheinig gibt es die meisten tollen Burgen, daher lohnt es sich etwas mehr Zeit einzuplanen, während es Rechtsrheinig nur vereinzelte gibt, die man besichtigen kann.


Übernachtung

Wie schon erwähnt sind einige dieser Burgen in Hotels umgewandelt worden. Wir haben auf der Burg Rheinfels in St. Goar genächtigt und können dieses Hotel auch wärmstens empfehlen. Andere Alternativen sind: Burg Gutenfels, Burghotel auf Schönburg Oberwesel, Hotel Weinbergschlösschen und Burg Reichenstein.


Anreise

Es gibt viele Wege die Burgen zu besichtigen.

Wer mit dem öffentlichen Verkehrsnetz anreisen möchte, kann dies wunderbar tun. Der nächste ICE halt ist in Koblenz und entlang des Rheins (auf der linken Seite rheinabwärts) gibt es eine Regionalbahnstrecke. Auch der öffentliche Nahverkehr ist sehr gut ausgebaut.

Mit dem Auto ist die Anreise am unabhängigsten (auch wettertechnisch! wir sind ja immerhin in Deutschland…) und schnellsten. Parkmöglichkeiten gibt es sehr viele, die meisten davon sogar kostenfrei. Fähren gibt es in Kaub, St. Goar und Boppard.

Man kann den Rhein aber auch mit dem Rad erkunden. Es gibt es toll ausgebautes Radstreckennetz, das immer am Rhein entlang auf Radwegen verläuft! Weitere Informationen dazu hier.

Ebenso verläuft entlang des Rheins auf der rechten Seite der Rheinsteig, ein Netz aus Wanderwegen. Oberhalb des Rheins verlaufend hat man einen tollen Blick auf die Burgen! Mehr zu den einzelnen Etappen im Oberen Mittelrheintal hier.

Auf der linke Seite des Rheins hat man den RheinBurgenWeg, von dem aus man die Burgen auf der linken Rheinseite besichtigen kann. Mehr Informationen zu den Etappe hier.

Man kann natürlich auch eine Rheinkreuzfahrt machen, die ebenfalls an allen Burgen vorbeikommt.


Die Burgen

Nun zum wichtigsten Teil, den Burgen selbst. Auf alle im Detail einzugehen würde den Rahmen sprengen (ja, so viele sind es!), daher erwähne ich nur jene, die du unbedingt gesehen haben musst! Um die Planung einfacher zu machen, gehe ich sie der Reihenfolge nach durch.

Burg Rheinstein

Entstanden 1306 bis 1320 als Wohnturmanlage, wurde Burg Rheinstein ab 1825 von dem preußischen Adelsgeschlecht als Sommersitz wiederaufgebaut. Damit ist sie die erste Burg, die während des „romantischen Wiederaufbaus“ zahlreicher Rheinburgen, die zuvor im Dreißigjährigen Krieg, Pfälzischen Erbfolgekrieg und durch Napoleonische Herrschaft zerstört waren, wiederaufgebaut wurde.

Hier findet man heute ein Restaurant, Appartement und ein Burgmuseum, in dem man einen Eindruck davon bekommt, wie die adelige Wohnkultur zur Zeit des Prinzen Friedrich von Preußen im 19. Jahrhundert war. Insgesamt wird auch das Interesse für und die gute Kenntnis um das Mittelalter des Prinzen sichtbar.

Öffnungszeiten: 15. März bis 1. November täglich, in den Wintermonaten nur Samstags und Sonntags

Empfehlung: an der Burg vorbei gibt es einen schmalen Trampelpfad, der einen zu einem Aussichtspunkt hinter der Burg führt.

Parkmöglichkeit: unterhalb der Burg gibt es Parkgelegenheiten, der Weg zur Burg erfolgt über eine breiten Kiesweg bergauf



Burg Reichenstein

Diese auf das 13. Jahrhundert datierte Burg wurde zwischen 1899 und 1903 wiederaufgebaut und beherbergt heute ein Hotel, Restaurant und Burgmuseum, in dem man ein Eindruck von spätromantischer Wohnkultur erhält. Wie ihr Nachbar Burg Sooneck hat diese Burg eine von Raubrittern und Kämpfen geprägte Vergangenheit.

Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich 9-18 Uhr, November bis März täglich 9-17 Uhr, letzter Einlass eine Stunde vor Schließung

Eintrittspreis: 12€ Erwachsene (ab 14 Jahre), 6€ Kinder

Parkmöglichkeit: neben der Burg, nahezu ebenerdiger Zugang


Burg Sooneck

Die im 11. Jahrhundert erbaute Burg lag lange von Raubrittern zerstört oberhalb des Rheins. 1842 veranlasste der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Wiederaufbau als königliche Jagdburg. Man orientierte sich dabei sehr am Mittelalter und so sind der Bergfried und das Burghaus noch in seiner originalen Substanz erhalten.

Begehbar ist die Burg nur im Rahmen einer Führung.

Öffnungszeiten: April bis November, täglich 10 bis 18 Uhr

Eintrittspreis: 5,50€ Erwachsener, 4€ Ermäßigt

Parkmöglichkeit: kostenfreies Parken ca. 300m unterhalb der Burg


Burg Pfalzgrafenstein

Die Burg Pfalzgrafenstein thront seit ihrer Erbauung 1327 auf einem Felsenriff im Rhein, was ihre Lage ziemlich einzigartig und besonders macht. Sie diente als Wachstation und Zollstelle und ist heute nur mit einer Fähre erreichbar.

Öffnungszeiten: 15.März bis 31. Oktober Donnerstag bis Sonntag und Feiertags 10 bis 17 Uhr, November und 1.Februar bis 14. März Samstags, Sonntags und Feiertags 10-16 Uhr

Eintrittspreis: 8€ Erwachsener, 7€ Ermäßigt, 4€ Kinder, Familientickets ebenfalls verfügbar

Parkmöglichkeit: auf dem Seitenstreifen am Rhein gibt es verfügbare Parkplätze, wenn auch nur sehr wenige



Burg Schönburg

Erbaut im 12. Jahrhundert blieb die Burg bis zu ihrer Zerstörung im Besitz des Reiches. Auch diese Burg wurde im 20. Jahrhundert renoviert und heute findet man darin ein Restaurant, Hotel und ein Turm-Museum.


Burg Rheinfels

1245 als Zollburg für Schiffe erbaut, baute der Burgherr sie rasch zu einer der stärksten Anlagen am Mittelrhein aus. Nach der erfolglosen einjährigen Belagerung im Jahre 1256, erhielt sie rasch den Ruf uneinnehmbar zu sein. Das hier lebende Grafengeschlecht stieg dank hervorragender Finanz- und Heiratspolitik zu den mächtigste Adelsgeschlechtern am Mittelrhein auf, wodurch die Burg ein bedeutendes Verwaltungszentrum wurde. 1479 starb das Grafengeschlecht aus und die Burg fiel an die Landgrafschaft Hessen. Im 15. Jahrhundert erlangte die Burg Rheinfels noch einmal mehr Bedeutung, bevor sie 1570 zu einem prächtigen Renaissanceschloss umgestaltet wurde.

Burg Rheinfels war eine der stärkste Festungen am Mittelrhein und konnte auch die Angriffe der französischen Truppen Ludwig des XIV. standhalten. 1794 wurde die Festung jedoch der französischen Revolutionsarmee ohne Widerstand übergeben, die sie jedoch zwei Jahre später dennoch sprengten. Die heutige Ruine ist noch immer sehr umfangreich und auch zu besichtigen.

Öffnungszeiten: März bis Oktober 10-18 Uhr, November bis Ende Februar 10-15 Uhr

Eintrittspreise: 6€ Erwachsene, 4€ Erwachsene ermäßigt, 4,50€ Schüler / Studenten, 3€ Kinder

Parkmöglichkeiten: direkt an der Burg


Schloss Stolzenfels

Burg Stolzenfels wurde 1248 vom Trierer Erzbischof vermutlich als Reaktion auf die gegenüberliegende Burg Lahneck des Mainzer Erzbischofes erbaut: So standen sich die beiden Erzbistümer an der Lahnmündung gleichmäßig abgesichert gegenüber. Jedoch wurde auch diese Burg im Pfälzer Erbfolgekrieg zerstört und von dem preußischen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm IV. ab 1823 wieder aufgebaut. So wurde die Burg zu einem stolzen Residenzbau, das dem königlichen Ehepaar einige Male als Sommersitz diente.

Öffnungszeiten: 1. Februar – 14. März + November samstags, sonntags und an Feiertagen von 10-17 Uhr, 15. März – 31. Oktober donnerstags bis sonntags und an Feiertagen von 10-17 Uhr, Dezember und Januar geschlossen.

Eintrittspreise: 6€ Erwachsene, 5€ Ermäßigt, 3€ Kinder

Parkmöglichkeiten: unterhalb des Schlosses, gebührenpflichtig


Festung Ehrenbreitstein, Koblenz

Die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz hat eine lange und umfangreiche Geschichte. Im Jahr 1000 errichtete man hier bereits eine Burg, es gibt jedoch schon 3000 Jahre alte Siedlungsfunde, die zeigen, dass die damals lebenden Menschen dieses Plateau auch schon als Sicherung ihrer Siedlungen verwendet haben. Im 16. Jahrhundert wurde die Festung als preußische Befestigungsanlage erbaut. 1797 wurde die Festung von französischen Truppen belagert, die aber erst 1799 durch Aushungern eine Übergabe erzwingen konnten. 1801 wurde die Festung dann gesprengt. In ihrer heutigen Gestalt entstand die Festung zwischen 1817 und 1828. Bis 1918 wurde sie von der preußischen Armee genutzt.

Öffnungszeiten: 3.November bis 28. März täglich 11-16 Uhr, 29. März bis 1.November täglich 10-18 Uhr

Eintrittspreise: 10€ Erwachsene, 9€ Ermäßigt, 5,50€ Schüler / Studenten / Auszubildende, 4€ Kinder; Nutzung der Seilbahn kostet zusätzlich

Anreise: Parkmöglichkeiten gibt es unterhalb der Burg. Zur Burg gelangt man durch den Festungsaufzug auf der rechten Rheinseite oder der Seilbahn auf der linken Rheinseite.



Burg Lahneck

1226 vom Mainzer Erzbischof erbaut, ist auch diese Burg ein Beispiel der Rheinromantik. Im 19. Jahrhundert wurde sie mit neugotischen Elementen wieder aufgebaut, nachdem sie im Dreißigjährigen Krieg verwüstet und im Pfälzer Erbfolgekrieg 1689 endgültig zerstört wurde.

Öffnungszeiten: nur mit Führung vom 12. April bis 2.November von Dienstag bis Sonntag um 11, 12, 13, 14 und 15 Uhr

Eintrittspreise: 12€ Erwachsene, 6€ Kinder bis 14 Jahren


Marksburg

Bei der Marksburg handelt es sich um die einzige nie zerstörte Höhenburg am Rhein! 1231 als Burg Braubach errichtet diente sie bis ins 16. Jahrhundert zum Schutz der sich in der Nähe befindlichen Silberminen. Als die Familie der Besitzer ausstarb, ging sie an das Land Hessen über.

Öffnungszeiten: Sommersaison (Daten ändern sich jährlich) täglich 10-17 Uhr, Wintersaison täglich 11-16 Uhr; nur im Rahmen einer Burgführung zu besichtigen

Eintrittspreise: 12€ Erwachsene, 8€ Kinder bis 15 Jahre

Parkmöglichkeiten: auf dem Burggelände unterhalb der Burg, kostenpflichtig


Burg Sterrenberg + Burg Liebenstein

Die Burg Sterrenberg wurde im 11. Jahrhundert als Reichsburg errichtet und Dienste später vor allem dazu, Zölle einzutreiben. Burg Sterrenberg und die benachbarte Burg Liebenstein gehören zu den “feindlichen Brüdern”, da ihre Besitzer einst Familienstreitigkeiten hatten und die beiden ursprünglich miteinander verbundenen Burgen in diesem Zuge voneinander getrennt wurden. Nachdem ihre Besitzer ausstarben verwahrloste Die Burg seit dem 15. Jahrhundert und diente als Steinbruch, bevor sie 1968 umfangreich restauriert wurde.

Auf Burg Sterrenberg ist ein Lokal zu finden. Burg Liebenstein beherbergt zudem ein Hotel.

Öffnungszeiten: täglich geöffnet, in der Sommersaison finden auch Führungen an ausgewählten Terminen statt

Eintrittspreise: kostenfrei, bis auf Führung

Parkmöglichkeiten: in der Nähe der Burg, allerdings nur begrenzt


Burg Maus + Burg Katz

Burg Maus und ihr Nachbar Burg Katz haben ihren Namen nicht von irgendwo – Das Verhalten wie „Katz und Maus“ überträgt sich auch auf die Burgherren jener zwei Burgen, die einander nicht leiden konnten. Burg Maus des Trierer Erzbischofs bildet eine Gegenburg zur auf der Gegenüberliegenden Burg Rheinfels und wurde 1356 erbaut. Die Burgherren der Burg Rheinfels ließen sich aber diese Bedrohung nicht bieten und bauten auf der gegenüberliegenden Rheinseite Die Burg Katz 1371.
Burg Maus wurde 1900 wiedererrichtet.

Öffnungszeiten: im Privatbesitz, nicht zu besichtigen

Aussichtspunkt auf Burg Katz: oberhalb der Burg an dem Schulzentrum


Burg Gutenfels

1222 errichtet, diente sie zusammen mit Burg Pfalzgrafenstein zur Zollabfertigung. Seit 2022 findet sich hier wieder ein Burghotel.


Burgruine Ehrenfels

Die Burg besteht bereits seit 983, wobei die Besitzverhältnisse ungewiss sind. Sie gewann erst im 13. Jahrhundert aufgrund der Streitigkeiten um die Kaiserkrone zwischen Staufer und Welfen an Bedeutung als die Burg ausgebaut wurde. Im Dreißigjährigen Krieg nahm die Burg noch keinen größeren Schaden. Zerstört wurde sie erst durch die Besetzung der Franzosen 1688.

Öffnungszeiten: die Burgruine ist geschlossen.



Sehenswerte Orte entlang der Strecke

Bacharach

Bacharach ist eine kleine historische Altstadt am Rhein. Die kleinen Straßen sind gesäumt mit Fachwerkhäusern und rund um den Ort befinden sich Weinreben. Oberhalb der Stadt befindet sich die Burg Stahleck, die heute eine Jugendherberge ist.

Boppard

Boppard war schon von den Römern besiedelt und beherbergt noch heute einige historische Sehenswürdigkeiten aus dieser Zeit.




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